Die eigentliche Bedeutung von Überstunden

„Meine Generation wünscht sich eine Arbeitswelt, in der es auf Ergebnisse ankommt. In der Leistung nicht daran bemessen wird, wie viele Stunden wir im Büro verbringen, sondern daran, was am Ende dabei herauskommt. Wir halten nicht viel von Kollegen, die aus Prinzip immer länger bleiben als der Chef, nur um Eindruck zu schinden. Wir halten auch nichts von Vorgesetzten, denen Mails nach Mitternacht imponieren, denn das zeigt in Wahrheit nur, dass jemand schlecht organisiert ist.“ (aus: Bund, Kerstin (2014): Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen, Murmann Verlag)

Ich habe mir schon sehr oft Gedanken darüber gemacht, wieso die Vorgesetzten es gerne sehen, wenn ihre Mitarbeiter länger als vorgeschrieben im Büro sitzen (ich verwende hier bewusst nicht das Wort arbeiten). Auch im Freundeskreis oder auf der Arbeit ist dieses Thema schon einige Male aufgekommen und es gibt, wie so ziemlich bei jedem Thema, unterschiedliche Ansichten darüber. Meine persönliche Ansicht habe ich beim Lesen des Buches Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen von Kerstin Bund wiedergefunden und ich muss zugeben, dass ich mich selten so verstanden gefühlt habe wir durch den oben zitierten Abschnitt. Natürlich kann man jetzt damit argumentieren, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen laut der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen eine bestimmte Stundenanzahl in der Woche schulden, nicht die Arbeitsleistung für bestimmte Aufgaben. Sie können zum Beispiel in der freien Zeit noch Sonderaufgaben erledigen oder ihre Kollegen unterstützen. Und auch dass dies nicht in allen Firmen und allen Branchen und schon gar nicht in allen Abteilungen möglich ist, das ist wohl auch für jeden nachvollziehbar. Aber sollte nicht generell eine leichte Tendenz zum Umdenken da sein? Auch hier trifft Kerstin Bund wieder den Kern der Sache mit der Aussage:

„In dieser Logik ist es besser, viel Zeit mit wenig Arbeit zu verbringen, anstatt viel Arbeit in kurzer Zeit zu erledigen. Langsames Arbeiten wird belohnt, schnelles Arbeiten bestraft. Das ist absurd!“

Ich gebe zu, ich bin eine Verfechterin dieser Meinung, weil ich gelernt habe, meine Arbeit gut zu strukturieren und trotzdem nebenbei noch Zeit habe, mal mit den Kollegen über das letzte Wochenende oder den nächsten Urlaub zu sprechen. Stellen wir uns diese paradoxe Situation doch einmal vor: Ein Mitarbeiter in eurem Team arbeitet sehr gut und sehr gründlich. Sie müssen selten nach Dingen nachfassen, weil er Ihnen die Ausarbeitungen schon präsentiert, da ist der von Ihnen für sich selbst eingestellte Wiedervorlagetermin noch lange nicht erreicht. Er hat selbständig und eigenverantwortlich alle To-Do’s für den Tag abgearbeitet und sogar schon etwas für Projekte der nächsten Woche recherchiert. Der Mitarbeiter könnte nun eigentlich nach Hause gehen. Aber nein, da er durch seine gut strukturierten Arbeitsabläufe auch in der Vergangenheit wenig Überstunden aufgebaut hat, sieht er sich gezwungen, bis zum offiziellen Feierabend im Büro – nennen wir es wirklich mal so – zu warten. Im besten Fall nutzt er diese Zeit für die Ablage oder um fachspezifische Artikel zu lesen. Im für euch schlechtesten Fall surft er ein bisschen im Internet oder spielt Candy Crush auf dem Handy. Dass das auf die Dauer für die Mitarbeiter nicht ist, liegt ja fast schon auf der Hand: die Motivation sinkt, die Frustration steigt (wer wäre in so einer Situation nicht lieber schon zu Hause?!) und zusätzlich setzt man sich auch noch der Gefahr aus, dass dies ein Vorgesetzten oder Kollege mitbekommt und man gegebenenfalls noch arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten muss.

Obwohl ich zu diesem Thema noch unglaublich viel schreiben könnte, möchte ich mit diesem Beispiel (vorerst) diesen Beitrag beenden und den Ball an euch weitergeben zum Nachdenken und natürlich sehr gerne auch zum Diskutieren. Ich freue mich auf eure Kommentare.

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