Der perfekte Arbeitsplatz!

Jeder Mensch ist verschieden, da sind wir uns alle wohl einig. Und dass jeder dieser Menschen auch auf verschiedene Weise lernt und arbeitet, ist wohl auch jedem klar. Es gibt diejenigen, die sich lieber die Zeit frei einteilen und zu Hause ganz in Ruhe lernen können (und auch die Disziplin dazu haben, das dann wirklich zu tun) und auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die nur lernen können, wenn Sie sich dazu in der Uni oder sonst wo verabreden (ein fester Termin schafft Verbindlichkeit an der Teilnahme).
Und dazwischen gibt es noch die unterschiedlichsten Lerntypen. Gleich verhält es sich mit der Arbeit. Es gibt die Mitarbeiter, die jeden Morgen um 8 Uhr im Büro sind, ihre Arbeit nach den Vorgaben des Vorgesetzten abarbeiten – und das meist wirklich sehr sorgfältig und zuverlässig – und die dann nach getaner Arbeit mit eventuellen Überstunden wieder nach Hause gehen. Zu Hause denken Sie wahrscheinlich noch über die Geschehnisse des Tages nach und was für den nächsten Tag so anliegt. Dann gibt es Mitarbeiter, die gerne ihre eigenen Ideen einbringen und die danach streben, mehr Eigenverantwortung zu bekommen. (Heißt aber Eigenverantwortung automatisch, dass man sich auch zu Hause mehr mit der Arbeit beschäftigt?) Und es gibt diejenigen, die sich ihre Zeit und den Ort ihrer Arbeit am liebsten frei einteilen und trotzdem – oder gerade deshalb?! – sehr gute Ergebnisse abliefern.

Macht es auf Basis dieser Vielfalt an Persönlichkeiten und Einstellungen überhaupt Sinn, Theorien wie die Work- Life- Balance zu vertreten? Und sind alle Mitarbeiter, die der wild diskutierten Generation Y angehören (zu denen gehöre übrigens auch ich) arbeitsfaul und dreist, nur weil sie gerne pünktlich nach Hause gehen und von ihren Arbeitgebern Flexibilität verlangen? Kann man diese Verallgemeinerungen überhaupt treffen? Oder ist es nicht für manche Mitarbeiter, egal welcher „Generation“ sie angehören, gerade wichtig, weiterhin keine Flexibilität zu haben, einfach weil sie von ihrer Persönlichkeit her gerne mit klaren Vorgaben arbeiten? Wie ich in meinem letzten Beitrag zum Thema Überstunden, dass sich in einigen Punkten bestimmt mit dem von heute überschneidet, schon deutlich gemacht habe, kann Arbeitszeit- und -ortflexibilität natürlich nicht in allen Berufen angeboten werden, auch wenn sie von den Mitarbeitern gewünscht wird (nehmen wir hier mal z.B. einen Produktionsbetrieb mit festgelegten Schichten oder den Einzelhandel mit seinen Öffnungszeiten). Hier ist die „Work- Life- Balance“, so wie sie propagiert wird, relativ einfach. Der Mitarbeiter macht seine Arbeit und hat dann Feierabend. Eine Verschiebung der Arbeitszeit, weil z.B. das Kind erst um 8 Uhr in die Schule geht, die Schicht jedoch schon um 6 Uhr beginnt, ist kaum möglich. Die Maschine kann ja nicht 2 Stunden stillstehen. Auf der anderen Seite laufen diese Mitarbeiter auch selten die Gefahr, dass sie nach Arbeitsende noch mit dienstlichen E-Mails, Anrufen o.ä. konfrontiert werden. Aber all die anderen Mitarbeiter, die theoretisch in der Lage wären, ihre Arbeit auch mal mit nach Hause zu nehmen: muss es bei denen die Ausgewogenheit zwischen Familie und Beruf überhaupt geben? Vielleicht macht jemand seinen Job so gerne, dass er kein Problem damit hat, sich auch außerhalb der „üblichen Arbeitszeit“ damit zu beschäftigen. Oder jemand, der aufgrund seiner familiären Situation – nehmen wir mal an, die Person hat Kinder und einen Hund – die Arbeit gerne erledigt, wenn die Kinder in der Schule und der Hund eine große Runde Gassi gewesen ist und dann erst weiter macht, wenn die Kinder schon im Bett sind. Oder von unterwegs aus dem Auto Telefonate erledigt, im Zug eine Präsentation vorbereitet oder im Sommer im Garten auf der Sonnenliege Termine koordiniert. Theoretisch ist alles möglich und kein Modell ist schlecht oder gut per se.

Die alles entscheidende Frage ist natürlich: Was wollt ihr? Was wäre für euch „der (realistisch machbare) perfekte Arbeitsplatz“? Und passt dieser Wunsch zur Realität?
Ich würde euch gerne ein paar Fragen an die Hand geben, euch damit vorerst alleine lassen und euch bitten, euch Gedanken darüber zu machen, was ihr denn für ein Arbeitstyp seid. Diese Überlegungen helfen einem unglaublich weiter: Sie zeigen nicht nur die persönlichen Stärken und Schwächen sondern können auch eine gute Reflexion über die eigene Arbeit sein. Und vielleicht solltet ihr euch diese Überlegungen als Grundlage für ein Gespräch mit euren Vorgesetzten nehmen. Oder ihr merkt, dass euer aktueller Job eigentlich nicht zu euch passt und dass ihr euch verändern solltet. Und vielleicht lasst ihr als Führungskräfte eure Mitarbeiter auch mal ein eigenes Wunschprofil über sich erstellen. Es könnte euch dabei helfen, die Bedürfnisse besser zu erkennen und eventuelle Probleme aus der Welt zu schaffen, die daraus resultieren.
• Könnt ihr besser in einem Einzelbüro oder in einem gemeinsamen Büro mit Kollegen arbeiten?
• Habt ihr eine Kernarbeitszeit vereinbart?
o Wenn ja: Passt diese Kernarbeitszeit zu eurem Lebensstil oder würdet ihr gerne eher/ später anfangen oder die Pausenzeiten verlegen? Wenn ihr die
Möglichkeit hättet, zu wählen: zu welcher Uhrzeit würdet ihr gerne anfangen zu arbeiten?
o Wenn nein: Seid ihr mit der Flexibilität zufrieden oder würden euch feste Arbeitszeiten lieber sein?
• Seid ihr für euer Aufgabengebiet alleine verantwortlich?
o Wenn ja:
 Würdet ihr zwischendurch gerne jemanden anders um Hilfe bitten?
o Wenn nein:
 Arbeitet ihr gerne mit euren Kollegen zusammen (persönliche Ebene)?
 Arbeitet ihr gut mit euren Kollegen zusammen (fachliche Ebene)?
 Gibt es oft Diskussionen zwischen euch und euren Kollegen bezüglich der Art, Schnelligkeit und Genauigkeit der Aufgabenerledigung? Beziehungsweise: Würdet ihr für euch behaupten, dass ihr eure Arbeit besser/ schneller/ sorgfältiger schafft als eure Kollegen?
• Wie stark ist euer Wunsch nach Mitgestaltung eurer Arbeit?
• Wie schwer tut ihr euch mit starren Vorgaben?
• Bei einer neuen Aufgabe: Versucht ihr lieber, euch selbst erst einen Überblick zu verschaffen und euch daran zu wagen oder würdet ihr lieber als Einstieg ein Brainstorming mit euren Kollegen machen?
• Habe ihr lieber den Schreibtisch voller Arbeit, wenn ihr nach Hause geht oder passt es euch ganz gut, wenn ihr zwischendurch auch mal Leerzeiten habt (und vielleicht endlich mal Zeit, um die geliebte Ablage zu machen)?
• Stellt euch vor, ihr müsstet für eine Prüfung lernen oder eine Präsentation vorbereiten. Würdet ihr dafür am liebsten an einen Ort weg von Zuhause gehen (Bibliothek, Büro), weil ihr dort mehr oder weniger gezwungen werdet, zu arbeiten oder könnt ihr euch selbst disziplinieren, euch zuhause hinzusetzen und alles vorzubereiten?
• Ihr habt euch für eine Weiterbildung mit Kursen ohne Anwesenheitspflicht angemeldet. Ihr besucht am Anfang jede Veranstaltung, merkt jedoch dann relativ schnell, dass ihr mit dem Stoff sehr gut mitkommt. Was tut ihr? Geht ihr weiterhin zu den Terminen, um den Stoff und alles darüber hinaus mitzubekommen? Oder wegen der Mitteilnehmer? Oder bleibt ihr lieber zuhause und versucht, euch die Inhalte in vielleicht kürzerer Zeit durch Selbststudium anzueignen?

Meine Fragen sollen für euch nur als kleiner Anhaltpunkt dienen. Darüber hinaus kann es vielleicht hilfreich sein, einen Persönlichkeitstest zu machen und so etwas mehr über die eigene Arbeitsweise und eure Wünsche zu erfahren. Ich persönlich komme in den Genuss, heute Abend so einen Test machen zu dürfen. Ich werde euch gerne von meinen Erfahrungen berichten.

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