Die „Throphy Kids“ oder: warum auch nicht so perfekte Lebensläufe für euch vielleicht die perfekten Mitarbeiter wären

Habt ihr mal refelektiert, auf was ihr so achtet, wenn ihr eine Bewerbung auf den Schreibtisch bekommt? Ich glaube, das die Anforderungen und das, was für euch besonders wichtig ist, extrem variiert. wir sind unterschiedliche Charaktere und deshalb suchen wir uns auch die unterschiedlichsten Mitarbeiter aus.

Viele legen jedoch einen hohen Wert auf die Zeugnisse, Zertifikate und Weiterbildungen, die ein Bewerber vorweisen kann. Kerstin Bund nennt meine Generation in ihrem Buch „Glück schlägt Geld – Generation y: Was wir wirklich wollen“ (ich habe aus diesem Buch bereits in einem vorherigen Blogbeitrag schon mal zitiert) deshalb auch die Generation der Trophy Kids. Uns wird vorgeworfen, dass wir darauf fokussiert sind, die verschiedensten Scheine und Zertifikate zu sammeln. Aber hat sich denn noch keiner gefragt, wieso das so ist? Für mich liegt das ganz klar auf der Hand: gerade in großen Firmen werden Bewerbungen nicht mehr von Mitarbeitern der Personalabteilung oder sogar den Vorgesetzten begutachtet, sondern für eine Vorauswahl erst einmal durch eine EDV- Software gejagt, die dann anhand von voreingestellten Kriterien nur die geeignetsten Bewerber herausfiltert. Natürlich ist mir bewusst, dass bei einer Flut von über 100 Bewerbungen pro Tag oder sogar noch mehr eine persönliche Begutachtung jeder einzelnen nicht abbildbar ist. Auf der anderen Seite bekommen so die Bewerber, die vielleicht keinen geradlinigen Lebenslauf haben, keine Chance. Und was ist die Lösung um durch diese automatisierte Vorauswahl nicht „aussortiert“ zu werden: Bescheinigungen, Bescheinigungen, Bescheinigungen!

Ich frage mich: Was ist mit der Berufserfahrung, vielleicht auch in fachfremden Bereichen? Ich wisst, ich mache gerne zu meinen Aussagen passende Beispiele. Nehmen wir in diesem Fall einen gelernten Informatikkaufmann, der nach seiner Ausbildung bei einem Telekommunikationsanbieter im Call Center Kunden bei ihren Problemen betreut hat im Bereich Kundenservice auch einige Weiterbildungen gemacht hat. Nun ist er schon länger arbeitslos. Er bewirbt sich auf eine Position als Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst. Er ist nicht vom Fach, das sieht man sofort. Aber er hat während seiner Ausbildung auch kaufmännische Grundlagen gelernt (man glaubt es nicht, aber ja: der Ausbildungsberuf zum Informatikkaufmann zählt zu den kaufmännischen Berufen). Und was kann einem Unternehmen besseres passieren, als ein Mitarbeiter, der im Call Center jeden Tag Kontakt zu den (Privat-) Kunden hatte? In die Auftragsbearbeiterung lässt er sich bestimmt einarbeiten. Aber seine Berufserfahrung, auch wenn sie fachlich mit der neuen Aufgabe nicht allzu viel zu tun hat, zeigt doch, dass er genau das mitbringt, was benötigt wird: er kann gut auf Kunden und deren Probleme eingehen! Leider kann es ihm passieren, dass er durch die voreingestellten Kriterien gar nicht erst in die engere Auswahl kommt, sondern direkt eine standardisierte Aubsage bekommt. Schade eigentlich – für den Bewerber und das Unternehmen!

Vielleicht habt ihr dadurch einen kleinen Denkanstoß bekommen, auch mal Bewerber mit auf den ersten Blick nicht ganz so perfekten Lebensläufen eine Chance zu geben. Vielleicht können gerade die euch durch ihre Art und Einstellung zu arbeiten in einem persönlichen Gespräch überzeugen. Probiert es doch bei eurem nächsten Auswahlverfahren einfach mal aus und berichtet davon!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *