Wenn die Mitarbeiter nach einer Gehaltserhöhung fragen….

Jaja, das leidige Thema Geld und Verdienst. Bekomme ich, was ich verdiene? Verdiene ich überhaupt das, was ich bekomme?

Jeder will mehr Geld, keine Frage. Über eine Gehaltsanhebung würde sich glaube ich keiner von uns beklagen. Aber was sollten wir Führungskräfte eigentlich tun, wenn ein Mitarbeiter kommt und nach einer Gehaltserhöhung fragt?

Für mich gibt es nur zwei Punkte, die eine solche Erhöhung rechtfertigen:

  1. Der Mitarbeiter übernimmt einen höherwertigen Aufgabenbereich oder hat zu seinen bisherigen Aufgaben einige wichtige dazu bekommen (auf gleicher Hierarchieebene). Oder ein Mitarbeiter erhält nun Personalverantwortung (auch einer höheren Hierarchieebene). Mein Tipp hierzu: verfasst zu jeder Stelle in eurem Team eine kleine Stellenbeschreibung. Hieran kann dann genau ausgemacht werden, ob und wie viel der jeweilige Mitarbeiter überhaupt dazu bekommen hat oder ob gewisse Tätigkeiten schon in der ursprünglichen Tätigkeitsbeschreibung enthalten sind.
  2. Ein Mitarbeiter zeigt in seinem bisherigen Aufgabenbereich außergewöhnliche Leistungen. Außergewöhnlich heißt nicht gut und nicht sehr gut, sondern herausragend.

Was für mich definitiv keine Rechtfertigungen für eine Gehaltsanhebung sind (aber von den Mitarbeitern und manchmal auch den Vorgesetzten gerne als solche angegeben werden):

  • „Ich habe seit 5 Jahren keine Gehaltsanhebung mehr bekommen!“ – Der Mitarbeiter macht auch seit 5 Jahren den selben Job. Den macht er zwar immer zufriedenstellend, aber das „einzige“ (ich möchte das jetzt auf gar keinen Fall herunterspielen, weil das meist noch wichtiger ist als die Entlohnung), was er sich dadurch verdient hat, ist ein sehr großen Lob und Anerkennung von euch und hoffentlich auch den direkten Kollegen und ein sehr gutes Zwischen- bzw. Abschlusszeugnis. Mehr Geld? Nein!
  • „Ich bin doch immer fleißig!“ – Es ist die vertragliche Pflicht des Mitarbeiters, dem Unternehmen seine Arbeitskraft zu schulden. Und jeder versucht, dass in seinem jeweiligen Wirkungsbereich auch bestmöglich zu tun (okay, es gibt auch Ausnahmen, aber auf die möchte ich hier eigentlich nicht genauer eingehen zu diesem Zeitpunkt). Eine gute, langjährige Leistung ist also, meiner Meinung nach, noch lange kein Grund.
  • „Ich zeige doch immer Einsatzbereitschaft und wenn Überstunden gemacht werden müssen, dann melde ich mich ja auch immer freiwillig!“ – Vielen Dank dafür erst mal. Aber die Bereitschaft zu Überstunden, die übrigens auch in vielen Arbeitsverträgen geregelt ist, ist der am wenigsten zählende Grund für mehr Geld. Nicht nur in den Fällen, die ich in meinem Beitrag zum Thema Überstunden weiter unten beschrieben habe, sondern auch wenn es wirklich notwendig ist, länger zu bleiben. Die meisten Firmen haben einen Überstundenausgleich, ob nun durch Zeitkonto oder finanziell, vereinbart. Das reicht! Eine Gehaltserhöhung darauf basierend wäre ziemlich unnötig und ist meiner Meinung nach auch haltlos.

 

Kennt ihr vielleicht noch andere, interessante Fälle? Und wie sehr ihr das?

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Eine Antwort auf Wenn die Mitarbeiter nach einer Gehaltserhöhung fragen….

  1. Vielen Dank dafür!
    Ja, das sehe ich genauso. Folgende weitere Beispiele möchte ich noch beisteuern:

    1) „Aber ich habe doch eine Weiterbildung gemacht, damit kann ich mehr und muss auch mehr bekommen!“ Eine Weiterbildung an sich rechtfertigt noch keine Gehaltserhöhung. Der Mitarbeiter muss erst zeigen, dass die gelernten Inhalte zu einer Leistungssteigerung führen – diese kann dann berechtigterweise entlohnt werden. Aber ein Zertifikat an sich ist reicht noch nicht!

    2) „Ich habe doch Familie, Hauskredit und Co. und meine Tochter will studieren!“ Sobald leistungsgerecht entlohnt wird, darf die heimische Situation keine Rolle spielen. Was hat denn der Arbeitgeber davon, wenn die Tochter studiert? Bringt der Mitarbeiter deshalb bessere Leistungen? Vermutlich nicht. Für das notwendige Geld gibt es andere Leistungsträger.

    3) „Die Inflation frisst mein Gehalt auf!“ Das ist zugegebenermaßen noch das stärkste Argument, denn hier sinkt der Reallohn tatsächlich und ist nicht mehr leistungsgerecht. Ein Arbeitgeber muss sich jedoch die Gehaltserhöhung erst einmal leisten können – seine Preise müssen also auch steigen, so dass die Gehalsterhöhung mit einer Umsatzsteigerung konform geht. Kann er keine Preissteigerung durchsetzen, weil ihm sonst die Kunden davonspringen, muss er abwägen: Gewinnschmälerung oder Verstimmung der Mitarbeiter. Da jedoch alle an einem Strang ziehen, ist eine Krisenmeisterung durch Aussetzen von Gehaltserhöhungen ein Entgegenkommen des Mitarbeiters, das dieser durchaus auch einmal tragen kann!

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